Solastalgia - Swaantje Güntzel

So., 22.04.18 - So., 08.07.18

Solastalgia ist ein Neologismus, der eine Form von psychischer oder existenzieller Belastung durch Umweltveränderungen wie Bergbau oder Klimawandel beschreibt. Geprägt von Philosophen Glenn Albrecht im Jahr 2003 wurde es aus einer Kombination aus dem lateinischen Wort sōlācium (Komfort) und der Wurzel -algia (Schmerz) gebildet. Solastalgie ist ein Gefühl, das durch Umweltveränderungen verursacht wird und durch Ohnmacht oder mangelnde Kontrolle über den sich ändernden Veränderungsprozess verstärkt wird. Im Jahr 2015 umfasste die renommierte medizinische Zeitschrift "The Lancet" die Solastalgie als ein beitragendes Konzept für die Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit und das Wohlbefinden.

Scheibe & Güntzel, PLASTISPHERE / PROMENADE THESSALONIKI, 2016 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Scheibe & Güntzel, PLASTISPHERE / PROMENADE THESSALONIKI, 2016 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Swaantje Güntzel, paradice dissected V, 2018, Foto: Tobias Hübel © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Swaantje Güntzel, paradice dissected V, 2018, Foto: Tobias Hübel © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Swaantje Güntzel, IMMERATH, 2018, Rauminstallation, Foto: Tobias Hübel © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Swaantje Güntzel, IMMERATH, 2018, Rauminstallation, Foto: Tobias Hübel © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Die Themen der in Hamburg lebenden Konzeptkünstlerin Swaantje Güntzel sind die Umweltverschmutzung, besonders die der Meere, und die damit einhergehende Vernichtung der Lebensräume von Tieren, Pflanzen und schlussendlich die des Menschen. Im Fokus ihrer künstlerischen Arbeit steht die entfremdete Beziehung des Menschen zur Natur. Sie beobachtet unser alltägliches Verhalten der Natur gegenüber, um es dann aus dem Kontext herauszulösen und zu überzeichnen, damit sichtbar wird, wie absurd und widersprüchlich das menschliche Handeln oft ist.

Ein Großteil der künstlerischen Arbeiten wurde durch den direkten Austausch mit Wissenschaftlern (Biologen, Meeresbiologen, Physikern, Wildtierforschern) inspiriert, die der Künstlerin Daten und Material zur Verfügung stellten und weiterführende Fragen beantworteten. Das zentrale Anliegen ist, die anthropogene Belastung der Meere und die Präsenz von Plastik in unserem Alltag mit den Mitteln der Kunst sichtbar zu machen.

Die künstlerischen Objekte und performativen Interventionen von Swaantje Güntzel sind auf eine seltsame Weise verstörend und anziehend zugleich. Sie verfügen über einen ästhetischen Reiz, der uns im ersten Moment unterhaltsam scheint, bei genauerem Hinsehen jedoch die grausamen Konsequenzen unseres gedankenlosen Tuns eiskalt spiegelt. Diese Kunst ist politisch. Sie kritisiert unser Konsumverhalten und zwingt uns förmlich, unsere Komfortzone zu verlassen. Das ist unbequem, aber verdammt wirkungsvoll. Auch so kann Kunst sein.

Daher eignet sich insbesondere die Ausstellung von Swaantje Güntzel für die Umweltbildung nicht nur von Schülerinnen und Schülern aus allen Altersklassen.

Für die große Einzelausstellung im Syker Vorwerk entwickelt die Künstlerin u.a. eine künstlerische Arbeit für den Außenraum, die sich mit der Intensivlandwirtschaft beschäftigt – ein wichtiges Thema besonders für den Standort Niedersachen. Im Park des Syker Vorwerks wird dort, wo sonst ein Rasenrondell mit eingefasstem Rosenbeet zu sehen ist, im Jahresverlauf ein Maisfeld entstehen. Unsere Wahrnehmungsgewohnheiten werden aufgebrochen und in Frage gestellt: Wie ändert sich unsere gewohnte Umgebung durch Landbau?
Ein wichtiges Stichwort sind hier Monokulturen, die der Umwelt, besonders den Insekten, massiv schaden. Natürlich ist hier der massive Anbau von Futtermais angesprochen, allerdings wird die Künstlerin mit Unterstützung durch einen Landwirt im Syker Vorwerk Zuckermais anbauen, der dann auch von den Besucherinnen und Besuchern des Ausstellungshauses verwertet werden kann. Der Anbau des Maisfeldes wird erst nach der Ernte gegen Ende des Jahres 2018 in ein Rasenstück zurückgewandelt werden.

Gefördert durch den Landschaftsverband Weser-Hunte e.V. mit Mitteln des Landes Niedersachsen und die Waldemar Koch Stiftung.